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    Sonntag, 24. September 2023, 12:05 Uhr
    Sonntag, 24. September 2023, 12:05 Uhr
    (Wdh.16:05)

    Menschenbilder: Macht und Ohnmacht des Posthumanismus

    • Zum zweiten Mal diskutiert Giuseppe Gracia mit der Psychoanalytikerin Jeannette Fischer über Transhumanismus und Posthumanismus. Es geht um Allmachtsfantasien, hinter denen die Angst davor steckt, der Welt und der Freiheit menschlicher Realitäten ausgeliefert zu sein. Wie finden wir heraus aus dem größenwahnsinnigen Wunsch nach Selbsterlösung und einer besseren Menschheit?

    Kommentare
    Zettelchen
    Entflogen der Binnenvogel mir mit den klügsten Worten im Schnabel. Geblieben am anderen Ende des seidenen Fadens ein Weg ins Offene. Im Ausschreiten ein inniger Dank an Jeannette Fischer (!) und Giuseppe Gracia.
    Buchfunk
    Ich finde, dass Ihr das Problem unnötig kompliziert. Der Mensch ist natürlich ein Mängelwesen. Das Menschlichste am Menschen ist doch die Unzulänglichkeit , das Nobody is perfekt. Zu den Bedürfnissen des Menschen gehört auch, dass er nicht nur Bedürfnisse, sondern auch Wünsche hat, die t e i l w e i s e erfüllt werden müssen. Der Mensch ist fragil! Auch wenn er vor Kraft und Gesundheit strotzt. Und er will sich vervollkommnen, nach seinem Gutdünken, aber auch nach dem der anderen, denen er gefallen möchte, sei es durch Yoga oder durch die Lektüre von Dantes Purgatorio. Nun gibt es die Möglichkeit, nicht nur durch Protesen einen von Mängeln beeinträchtigten Körper zu vervollkommnen, sondern auch ganz neue Träume zu verwirklichen und daran geknüpfte Wünsche zu erfüllen. Aber das bedeutet nicht unvermeidlich Minderung von Beziehungen. Es gibt eben neue Spleens. Nur tauchen im Fahrwasser dieser neuen Phänomene Intellektuelle auf, die es nicht lassen können, Verwirrung anzustiften, ähnlich den Maitres a penser Ende der 70-er Jahre, die einerseits das Rad neu erfanden, indem sie plötzlich so taten, als sei das, was zuvor Konservative wie Golo Mann und Arnld Gehlen schon 10 Jahre vorher gesagt hatten, auf ihrem Mist gewachsen, indem sie es als Linke anderen, jüngeren Linken, die nicht wussten, dass es alter Wein in neuen Schläuchen war, verkündeten. Und so haben wir jetzt eine neue Mode, die über Trans- und Posthumanismus schwadroniert. Alles Gute Euch beiden!
    Buchfunk
    In meinen Augen schadet es dem Menschen, sich mit Psychoanalyse zu befassen, wenn er nicht sehr intelligent ist. Wenn er dagegen sehr intelligent ist, ist sie für ihn überflüssig. Es ist immer wieder angenehm und erfrischend, sich mit Menschen aus den östlichen Ländern zu unterhalten, weil sie nicht, anders als die Bewohner des Westens, von der Psychoanalyse verbildet sind und die obsessiv psychologisiere nde forma mentis, die den Westler kennzeichnet, nicht haben. Merkwürdig, dass Freud bei den Italienern zu einem Glaubensbekennt nis wurde, Jung dagegen unter italienischen Juden bevorzugt wird. Obwohl Jung den Nationalsoziali smus vor dem Krieg als Verwirklichung der deutschen Seele pries und nach dem Krieg einen Beweis darin einen Beweis der abgrundtiefen Bosheit der deutschen Seele sah.
    julianhenn
    Eine wunderbare Sendung und eine Freude dieses schöne Gespräch miterleben zu dürfen, vielen Dank dafür. Zu der wichtigen Frage, was man mit der Ohnmacht tun kann, möchte ich auf die Literatur des Marburger Psychologen Dennis Danner verweisen, der sagt, dass die Ohnmacht alleine überhaupt kein Problem darstellt und man deswegen auch gar nichts mit ihr tun muss. Es ist die Kombination aus Ohnmacht und unzuträglicher Situationen, die später als Muster zur Abwehr aller Ohnmachtsgefühle zB mit Hilfe von Allmachtsfantas ien führt. Vielleicht können Sie Herrn Danner ja auch einmal einladen, darüber vor einem großen Publikum zu sprechen? Ich glaube, der Umgang mit der persönlich erfahrenen Ohnmacht ist der Schlüssel zur individuellen und zur kollektiven Entwicklung der Menschen und dass wir genau an der Schwelle zu diesem Entwicklungssch ritt jetzt stehen. Sowohl die Aufarbeitung der Coronazeit als auch die anderen angesprochenen Themen wie die ständige mediale angstmache und Bevormundung der Menschen durch "Retter" sind eng mit dieser Frage der persönlichen Reaktion auf Ohnmachtsgefühle verknüpft.

    Herzliche Grüße aus Bayreuth, Julian Henn


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